Modellbahnclub Hoyerswerda - Tagebau Scheibe mit Schaufelradbagger - Spur TT Modelleisenbahn

Veröffentlicht am 30. Mai 2026
Modellbahnclub Hoyerswerda - Tagebau Scheibe mit Schaufelradbagger - Spur TT Modelleisenbahn

Es ist ein wahres Meisterwerk, was die Mitglieder des Modellbahnclub Hoyerswerda e.V. mit ihrer Modellbahnanlage, die den Namen „Rohkohleverladung Tagebau Scheibe“ trägt, in Spur TT geschaffen haben! Egal, ob Deutsche Reichsbahn, Werkbahn, Grubenbahn oder Schaufelradbagger, alles wird auf dieser etwa 5,50 x 0,96 Meter großen Modelleisenbahn streng nach historischem Vorbild dargestellt.

Vorbild der Modellbahn ist der Tagebau Scheibe, ein Braunkohletagebau, der von 1985 bis 1996 östlich von Hoyerswerda im Lausitzer Braunkohlerevier betrieben wurde. Das Ministerium für Kohle und Energie der DDR beschloss im Jahre 1980 recht kurzfristig den Aufschluss des Tagebaus Scheibe, um damit den Kohlebedarf des Gaskombinats Schwarze Pumpe bis zum Ende der 1990er Jahre abzusichern.

Ein Nachbau der Rohkohleverladung Tagebau Scheibe wurde von den Modellbahnern gewählt, weil Hoyerswerda ohnehin eine Bergbaugegend war und dort die Deutsche Reichsbahn und die Grubenbahn dicht beieinander lagen. Da die Kohleverladung sowohl vor als auch nach der Wende noch in Betrieb war, können auch ältere Züge der Deutschen Reichsbahn sowie moderne Modelle der Deutschen Bahn AG im Einsatz auf der Spur TT Anlage sein.

Das Meisterwerk im Maßstab 1/120 besteht aus zwei Ebenen: Im oberen Bereich der Modellanlage ist die Verladung von Rohkohle auf Kohlezüge dargestellt. Die Braunkohle wurde mit Baggern abgebaut und dann mit Förderbändern an den Grubenrand transportiert. Dort wurde die Kohle mit Verladeeinrichtungen auf Kohlezüge geladen und anschließend zur Weiterverarbeitung zu Kraftwerken und Industriebetrieben abtransportiert. Im unteren Bereich befindet sich eine Eisenbahnstrecke der Deutschen Reichsbahn, die aus zwei unabhängigen Fahrkreisen besteht. Jeder Kreis besitzt eine eigene Ablaufsteuerung durch Relais und Reedkontakte. Auslöser eines Ereignisses ist immer das letzte Fahrzeug eines Modellzuges mittels Magnet. Dieser schaltet Weichen und Fahrstrom um, meldet den Streckenabschnitt frei und löst einen Zeitschalter für die Fahrt der Gegenrichtung aus. Durch das Nachrücken aus dem Schattenbahnhof sind auf der unteren Ebene also stets abwechslungsreiche Zugfahrten möglich, so dass für Zuschauer nie Langeweile aufkommt.

Dadurch, dass die gesamte Modellbahnanlage zwar analog, aber dennoch automatisch gesteuert wird, entsteht auch auf der oberen Ebene mit den Grubenbahnen bzw. Werksbahnen keine Langeweile. Die Gleisabschnitte basieren auf zwei unabhängig voneinander arbeitenden Pendelschaltungen. Die Signale werden über eine monostabile Kippstufe („Monoflops“) nur für einige Sekunden in Fahrstellung gebracht. Es braucht daher keine Decoder für Signale, für Weichen oder für Blockabschnitte. Auch eine digitale Modellbahn-Steuerung ist nicht notwendig.

Ein sprichwörtliches Highlight auf der Modellbahnanlage ist der große Schaufelradbagger. Dabei handelt es sich um ein Modell von Revell im Maßstab 1/200, das eigentlich einen Bagger der Rheinbraun, also der Rheinischen Braunkohlenwerke AG, die heute als RWE Power AG firmiert, darstellt. Weil jenes Modell von Revell auch dem Schaufelradbagger des Schwermaschinenbaukombinates TAKRAF ähnelt, das damals im Tagebau Scheibe im Einsatz war, passt er sehr gut zur Modellanlage.

Neben dem Schaufelradbagger gibt es aber noch weitere Highlights, nämlich die elektrischen Grubenlokomotiven vom Typ LEW EL 2. Die elektrische Grubenlok EL 2 wurde bei LEW Hennigsdorf von 1952 bis 1988 entwickelt und gefertigt. Die schwere Lokomotive, die auch als „Hundert-Tonnen-Lok“ bezeichnet wird, kam standardmäßig in Tagebaubetrieben für den Transport von Braunkohle und Abraum zum Einsatz. Die Modelle dieser Regelspur-Industrielok werden in der Modellbahn-Manufaktur von Diplom-Ingenieur Michael Klunker hergestellt.

Auch die Eisenbahnsignale entsprechen dem Vorbild, denn es handelt sich um spezielle Werkbahnsignale mit zwei blauen, waagerecht nebeneinander angeordneten Lichtern, wie sie im Braunkohlebergbau der DDR üblich waren. Da es sich um geschobene Kohlezüge handelt, konnte der Lokführer, der am Ende des Zuges sitzt, nicht das reguläre rote Signal auf der Strecke erkennen. Damit die Spitze des Kohlezuges nicht über das rote Signal fährt, ist aufgrund der festen Zugeinheiten mit genormter Zuglänge ein blaues, sogenanntes Schubsignal auf der Strecke installiert worden. Der Lokführer hatte sich also im Schubbetrieb an den zwei blauen Lichtern zu orientieren.

Einzigartig ist freilich auch die Verladeeinrichtung. Dabei handelt es sich um einen originalgetreuen Nachbau derjenigen Verladeanlage, die für ein Jahrzehnt lang auch im Tagebau Scheibe eingesetzt wurde. Der Messingbausatz ist nach Originalplänen zusammengelötet worden. Damit wird ein vollständiges Bild der Abläufe im Tagebau in dieser Miniaturwelt wiedergegeben: Die Gewinnung der Rohkohle erfolgt über den großen Schaufelradbagger. Über Transportbänder, Gurtbandförderer in der Grube sowie Schrägbandförderer bis zur Rasensohle, geht es zur Verladestation. Über die sogenannte „Hosenschurre“ und „Pendelschurre“, also Bestückungsrinnen und ähnliche Förder- und Befüllungseinrichtungen, wird die Kohle auf die Gleise verteilt bzw. in die einzelnen Wagen abgefüllt.

Die Züge wurden stets wechselseitig beladen, d.h. ein Zug nach dem anderen. War ein Zug gefüllt, kam schon der nächste leere Zug unter die Verladestation. Die leeren Züge wurden unter die Verladung geschoben. Die Beladung begann mit dem ersten Wagen nach der Lok. Danach zog die Lok den gesamten Zug mittels automatischer Zugverholung, also durch langsames, kontrolliertes Bewegen der Kohlezüge, unter der Beladestation hindurch.

Zu ergänzen bleibt, dass Gleise und Weichen vom Hersteller Tillig aus Sebnitz auf der Modelleisenbahn verbaut worden sind. Sechs Weichenantriebe stammen ebenso von Tillig, sieben Weichenantriebe von Fulgurex und zwei Weichenantriebe von Conrad Electronic. Die Oberleitung bzw. Fahrleitung stammt vom Hersteller Sommerfeldt, ist teilweise durch Eigenbau oder Umbau angepasst worden. Die Lichtsignale nach Vorbild der Deutschen Reichsbahn sind von Thomas Michalsky („Modellbau Michalsky“) aus Heidenau bei Dresden.

Der Modellbahnclub Hoyerswerda e.V. wurde im Jahre 1968 als Arbeitsgemeinschaft 2/16 des Deutschen Modellbahnverbandes der DDR gegründet. Der Verein hat derzeit 26 Mitglieder und betreut zwei Modellbahnanlagen in Spurweite H0, zwei Anlagen in Spurweite TT sowie eine historische Spur H0 Anlage und eine LGB-Anlage zum Spielen. Vereinsdomizil ist die Energiefabrik Knappenrode. An einem Wochenende im Monat findet übrigens die sogenannte „Offene Modellbahnwerkstatt“ statt, bei welcher Gäste den Vereinsmitgliedern beim Bauen und Basteln über die Schulter schauen können.


Video bei YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=GcRKDcVjB38


Bilder

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Kurzbeschreibung von Pennula

Unter der Marke „Pennula“ präsentiert der Filmemacher Markus Lenz aus Frankfurt am Main seit dem Jahre 2011 Videofilme von Modellbahnanlagen aus ganz Europa und Übersee.